12.10.2016

Ungewöhnliche Architektur mit nachhaltiger Wirkung – der Ergänzungsneubau des Finanzamtes Oranienburg feiert Richtfest


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v. l. n. r. Hans-Joachim Laesicke, Michael Fehlauer, Daniela Trochowski, Guido Schwark, Volker Bargfrede beim symbolischen Einschlagen der Nägel

Zwei Besonderheiten werden den Ergänzungsneubau des Finanzamtes Oranienburg am Heinrich-Grüber-Platz nach seiner Fertigstellung kennzeichnen – seine konzeptionelle Architektur und die geprüfte Nachhaltigkeit. Verantwortlich für das Projekt des Landes Brandenburg zeichnet der Brandenburgische Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB). Voraussichtlich am Ende des zweiten Quartals 2017 wird das Gebäude fertiggestellt sein. Nach einer Test- und Einregulierungsphase können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Finanzamtes den Neubau beziehen und dann alle Dienstleistungen für ihre Kunden an einem Ort erbringen.

Konzeptionelle Architektur regt zum Nachdenken an

Das denkmalgeschützte Gelände stellte große Herausforderungen an die Architekten und Planer. Angrenzend an die Gedenkstätte Sachsenhausen nutzt das Oranienburger Finanzamt bereits das sogenannte „T-Gebäude“. Hier war während des Nazi-Terrors die zentrale SS-Verwaltungs- und Führungsbehörde für alle Konzentrationslager untergebracht. „Der Neubau sollte sich deutlich absetzen, aber sensibel und respektvoll mit der Geschichte des Ortes umgehen. Das war ein wichtiger Anspruch an den Entwurf“, unterstreicht Volker Bargfrede, kaufmännischer Geschäftsführer des BLB. Nach Durchführung eines Architektenwettbewerbes erhielt die Arbeitsgemeinschaft De Zwarte Hond (Köln/Rotterdam) und Wiewiorra Hopp Schwark Architekten (Berlin) den Zuschlag. In der Jury hatten auch das Landesamt für Denkmalpflege und die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Mitspracherecht.

Der Entwurf bricht auf vielfältige Weise mit seiner Umgebung. Das Schneiden und horizontale Versetzen der dreigeteilten Fassade lässt den zweigeschossigen Bau kleiner wirken. Der Mensch als Bezugsgröße erhält dadurch eine völlig andere Dimension, als ihm vom wuchtigen T-Gebäude nebenan vermittelt wird. Auch die drei Baukörper mit Flachdach sind gegeneinander verdreht. Durch das Aufbrechen in mehrere Baukörper erhält das sehr wirtschaftlich und funktionell organisierte Gebäude eine einfache innere Struktur.

Geprüfte Nachhaltigkeit entlastet kommende Generationen

„Die Architektur gibt der Nachhaltigkeit Raum“, erläutert Joachim Schreiner, Leiter der Stabsstelle Unternehmens- und Portfoliostrategie und Nachhaltigkeitskoordinator des BLB. Der Ergänzungsneubau des Finanzamtes Oranienburg wird vom BLB in Selbstverpflichtung nach den umfassenden Regeln des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen des Bundes geplant, gebaut und bewertet. „Das ist unser Pilotprojekt im Land Brandenburg. Wir wollen möglichst viele der insgesamt 100 Bewertungspunkte und auf jeden Fall den Silberstandard erreichen“, beschreibt Schreiner die Ambitionen.

Dafür muss das Gebäude eine besondere ökologische, ökonomische und soziokulturelle Qualität vorweisen. Es muss also zum Beispiel eine herausragende Ökobilanz haben. 260 Quadratmeter Solarzellen auf dem Flachdach sichern die Stromversorgung des Gebäudes. Eine Wärmepumpe mit Erdsonden wärmt im Winter und kühlt im Sommer. Dazu werden 16 Sonden 99 Meter tief in die Erde versenkt. Spitzenlasten werden durch einen Gasbrenner bzw. den örtlichen Stromversorger abgefangen. Das Gebäude arbeitet weitgehend energieautark und gleichzeitig energiearm. Dafür sorgen die Standards des Passivhauses, an denen sich das Gebäude orientiert. Die Investitionskosten in die Technik werden im Laufe der Jahre über die niedrigen Energiekosten wettgemacht. Über 50 Jahre muss eine hohe Wirtschaftlichkeit nachgewiesen werden – ein weiteres Prüfkriterium. Das Gebäude lässt sich leicht in größere und kleinere Einheiten gliedern. Spätere Nutzungsänderungen sind so einfach möglich. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Finanzamtes können sich auf eine hohe Aufenthaltsqualität und Komfort freuen, mit Technik, die trotzdem leicht zu bedienen ist“, bekräftigt Joachim Schreiner. „Das ist ein weiteres Nachhaltigkeitskriterium“, so Schreiner.

Die baulichen Anforderungen sind komplex, Erfahrungen in der Umsetzung eines nachhaltigen Baus müssen bei diesem Projekt gesammelt werden. Vor dem Einzug des Finanzamtes wird es neben der obligatorischen Messung der Luftdichtheit des Gebäudes auch Messungen in den Bereichen Schall, Raumakustik, Schadstoffe, Tages- und Kunstlicht und Wärmedämmfähigkeit geben, um zu prüfen, ob alle Bewertungskriterien für den Silberstandard erreicht sind. „Dann wissen wir, ob wir einen vernünftigen Job gemacht haben, das Gebäude rundum gut ist und die Herstellung und Nutzung nachfolgende Generationen nicht belasten wird“, resümiert BLB-Geschäftsführer Volker Bargfrede.

Weitere Informationen unter www.bnb-nachhaltigesbauen.de

Erweiterungsbau Finanzamt Oranienburg
Bauherr: BLB im Auftrag des Landes Brandenburg
Architekten: Planungsgemeinschaft De Zwarte Hond (Köln/Rottedam); Wiewiorra Hopp Schwark Architekten (Berlin)
Nutzung: Büroräume und Archiv für das Finanzamt Oranienburg
Ort: Oranienburg, Heinrich-Grüber-Platz
Maße: ca. 70 Meter Länge, 25 Meter Breite
Nettogrundfläche: ca. 2.600 Quadratmeter
Nutzfläche: ca. 2.050 Quadratmeter
Bauzeit: von Herbst 2015 bis Ende zweites Quartal 2017
Baukosten: 8,8 Millionen Euro

Über den BLB
Der Brandenburgische Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB) ist der zentrale Partner für die Landesverwaltung Brandenburg bei den Themen Liegenschafts-, Gebäude- und Baumanagement. Als Eigentümer bewirtschaftet er große Teile des Liegenschaftsvermögens des Landes und ist gleichzeitig serviceorientierter Vermieter. Für die Kunden im Land Brandenburg, von der Staatskanzlei über das Justizministerium bis zum Forstamt, für den Bund und bei besonderem Landesinteresse auch für Dritte managt der BLB Bauprojekte. Weiterhin organisiert er den Fuhrpark der allgemeinen Landesverwaltung Brandenburgs. Durch eine optimale Bewirtschaftung und Verwertung aller Liegenschaften sowie durch die effiziente Planung des Fuhrparks leistet der BLB einen aktiven Beitrag zur Entlastung des öffentlichen Haushalts des Landes Brandenburg.
Weitere Informationen unter www.blb.brandenburg.de

Datum
12.10.2016
Verantwortlich
Ulrike Rehberg
Organisation:
Brandenburgischer Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB)
Straße:
Heinrich-Mann-Allee 103
Haus 11
PLZ Ort:
14473 Potsdam
Ansprechpartner:
Hauptsitz
E-Mail:
info@­blb.brandenburg.de
Telefon:
+49 331 58181-0
Fax:
+49 331 58181-199